Die Köhlerei

Holzeinschlag


Die Wälder des Odenwaldes bestanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich aus Eichen und Buchen, also Laubholz. Erst nach ca. 1910 als dieser Wald keine guten Erträge mehr brachte stellte man auf Kiefern- und Fichtenwälder um, da diese bedeutend schneller wachsen. Der Einschlag des Holzes findet normalerweise zwischen Oktober und März statt, wenn noch kein Saft im Holz ist. Dieses Holz ergibt mehr Hitze und mehr Kohle als im Saft gehauenes. Der Trocknungsverlauf dauert ca. 1 Jahr. Vorwiegend wurde im Odenwald Eiche und Buche verkohlt. Buchenholz verliert ca. 4/5 an Gewicht und ca. 7/10 an Masse. Auch wurden Eichenschälprügel verwendet. Das waren Holzstämme von 10 - 20 cm Durchmesser die aus den sogenannten Stockschlägen gewonnen wurden. Dabei wurde das Eichenholz von der Rinde getrennt. Die Rinde wurde dann extra verkauft, weil sie zum Gerben von Leder benötigt wurde.

                 Die Köhlerplatte


Eine Köhlerplatte ist ein runder fester Platz. Zugige Stellen sollten bei der Neuanlage von Kohlstellen vermieden werden, weil starke Windeinwirkung den Ertrag des Meilers verringert. Der Köhler bevorzugt daher alte Kohlplatten, denn hier gelingt der Brennvorgang am besten. Der Platz muss von Gras, Wurzeln und Steinen befreit werden. Hier wird der Meiler aufgebaut. Die Platte sollte in der Mitte höher liegen als am Außenrand damit die sich sammelnde Feuchtigkeit abfließt. Ist die Kohlplatte fertig wird das Scheitholz herbeigeschafft.

 

 

Der Meilerbau


In der Mitte der runden Kohlplatte wird zuerst der Quandelschacht errichtet. Erst werden dünnere Hölzer angelehnt, dann meterlange Holzscheite leicht schräg aufeinander geschichtet. Es sollte ein kreisrunde Grundform entstehen und außen so schräg sein dass das Abdeckmaterial darauf liegen bleibt. Abschließend wird eine Decke in mehreren Schichten aufgebracht. Das "Raudach" besteht aus Laub oder Tannenreisig, darüber das Erddach aus einer Erdmischung früherer Kohlenmeiler, dem so genannten "Gestübe".

 

 

   

 

Wie Holz zur Holzkohle wird


Ist der Meiler abgedeckt kann der eigentliche Brennvorgang beginnen. Zunächst werden in die Haube einige Kopflöcher gestochen. Nun füllt der Köhler den Quandelschacht mit toter Holzkohle und trockenen Holzstücken. Darauf kommen einige Schaufeln glühende Kohle. Der Quandelschacht wird nun mit einer Grasnarbe verschlossen. Bald tritt nun aus den Löchern dicker Rauch hervor. Ab jetzt muss der Meiler Tag und Nacht bewacht werden. Im Laufe des Tages muss der Köhler immer wieder zum Quandelschacht hochsteigen und nachsehen dass dieser nicht leerbrennt. Oft muss Holz nachgefüllt werden. Am Rauch des Meilers erkennt der Köhler wie es im Inneren aussieht. Sobald blauer Rauch aus den Löchern kommt ist das Holz in Kohle verwandelt.

Arbeitsgeräte der Köhler


Holzschubkarre, Hörnerschlitten, Kohlstange, Kohlrechen, Schaufel, Kohlkorb zum Einfüllen der Kohle in Säcke und die Holzleiter zum Besteigen des Meilers.

 

 

Die Verhüttung ( Erschmelzung)

 

Zur Verhüttung der Erze die auch im Odenwald abgebaut wurden brauchte man riesige Mengen an Brennstoff. Zur Erschmelzung einer Tonne Eisen mussten riesige Tonnen Holzkohle eingesetzt werden. So wurden auch im Odenwald ganze Wälder abgeholzt um die Schmelzöfen der Hüttenwerke in Gang zu halten.

 

Verwendung der Holzkohle


Je nach Größe fassten die Kohlenmeiler bis zu 20 Raummeter Holz. Diese brachten bei optimalem Brand bis zu 60 Zentner Holzkohle. Diese wurde dann an die Hüttenwerke geliefert, die Eisenerz aus Erzbach und Weschnitz verarbeiteten. Auch die "Schmelz" in Hüttenthal und das Hüttenwerk in Michelstadt wurden mit Holzkohle beliefert. Holzkohle brauchte man zum Schmieden von Eisen und auch die Bügeleisen der Schneider wurden mit Holzkohle befüllt.

 

Die Köhlerhütte


Da der Köhler bei jeder Witterung tage- und wochenlang bei seinem Meiler bleiben musste baute er sich in unmittelbarer Nähe eine Hütte. Diese wurde mit Gras- oder Moosplatten belegt. Die Hütte war auf einer Seite offen damit der Köhler den Meiler immer im Auge behalten konnte. Der Eingang bekam ein kleines Vordach und wurde mit einem alten Kohlensack verhängt